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Forschung

Ein Labor mit Bett und Fernseher

Ein Labor mit Bett und Fernseher. Es gibt schlechtere Arbeitsplätze. Doch was sich gemütlich anhört, soll die Zukunft revolutionieren. Die Zukunft von Senioren vor allem. Für ein Projekt der Hochschule Zittau/Görlitz wurde im Frauenburgkarree in der Südstadt eine Wohnung mit fast allem ausgestattet, was derzeit an technischen Helfern zu haben ist, um alten Menschen den Alltag zu erleichtern. Dinge ohne oder mit ganz wenig Technik sind dabei, wie eine Stange mit Griff, um das Fenster bequem auch vom Rollstuhl aus öffnen zu können, oder eine Leiter mit extrabreiten Stufen, die nicht so leicht kippt, Haltegriffe im Bad oder auch das Telefon mit extragroßen Tasten, bei dem die Kurzwahltasten jeweils ein Foto des Angerufenen sind.

Aber es gibt eben auch ganz viel Hightech in dieser Wohnung. „Das Fenster ist ungewöhnlich lange geöffnet“, sagt plötzlich eine Stimme. Auf dem Schreibtisch blinkt Alexa, die Sprachassistentin von Google im Zylinderformat. Denn am Fenster ist ein Sensor verbaut. Genau wie am Kühlschrank. Am Badezimmerboden. Oder in der Bettmatratze. Dadurch bekommt der Bewohner Hinweise von Alexa, wenn etwas in der Wohnung anders ist als normalerweise. Bei Bedarf informiert das System auch Angehörige oder Pflegekräfte. Wenn Wasser auf dem Badezimmerboden steht zum Beispiel oder wenn der Kühlschrank ungewöhnlich lange nicht geöffnet wurde.

Überwachung, mögen manche schimpfen. Sicherheit, loben andere. Lösungen für die Zukunft, sagen die Macher des Ganzen. AAL-Labor heißt es, „Ambient Assisted Living“. Technologien zur Bewältigung des demographischen Wandels, sprich: Technik, die Senioren den Alltag erleichtert. Projektleiter ist Prof. Dr. Andreas Hoff, der an der Hochschule Zittau/Görlitz nicht nur Dekan der Fakultät Sozialwissenschaften ist, sondern auch Professor für Soziale Gerontologie sowie Direktor des Instituts für Gesundheit, Altern und Technik, das an der Hochschule Zittau/Görlitz angesiedelt ist. Zu Letzterem gehört das AAL-Labor, das quasi der zweite Schritt des Projekts VATI ist, das schon vor zwei Jahren in der Öffentlichkeit bekannt wurde. VATI steht für "Vertrauen in Assistenz-Technologien zur Inklusion". Mit dem Projekt wird erforscht, wie ältere Menschen möglichst lange in ihrer Wohnung und ihrem vertrauten Umfeld bleiben können. „Die heutigen Senioren sind eine Generation, die mit Technik nicht vertraut ist“, sagt Prof. Hoff. „Wir wollen ihnen zeigen, dass diese Hilfen gut sind.“

Aktuell ist ein Programm fertig, die ähnlich einer Verkaufsplattform Dinge auflistet, die speziell für Senioren entwickelt wurden. Bald soll sie online verfügbar sein. Aber wie soll man sich die Funktionsweise einiger Produkte vorstellen? Braucht man das wirklich? Hier kommt das AAL-Labor ins Spiel. Es soll nicht nur Forschungsraum für die Wissenschaftler sein, sondern auch Testmöglichkeit für Interessierte. Noch ist es einigen wenigen Bewohnern des Frauenburgkarrees vorbehalten, aber in wenigen Monaten wird das anders. Mit einem Tag der offenen Tür soll es im Herbst der Öffentlichkeit vorgestellt werden, danach gibt es wahrscheinlich regelmäßige Öffnungszeiten.

Für KommWohnen, das die Wohnung für das Labor zur Verfügung stellt, gab es jetzt einen ersten Blick hinter die Kulissen. Bill Pottharst, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts Saxony5, das sich besonders mit anstehenden Veränderungen in der Arbeitswelt befasst, und zugleich Doktorand an der Fakultät Sozialwissenschaften, zeigt die vielen Möglichkeiten zur Erleichterung des Alltags, die diese Wohnung bietet. Die Sprachsteuerung ist dabei ein ganz wichtiger Faktor. Senioren, die nicht mehr gut sehen können oder deren Hände kleine Tasten nicht mehr gut treffen, können quasi mit ihrer Wohnung sprechen. Von „Mach im Schlafzimmer das Licht aus“ über „Stell die Temperatur auf 21 Grad“ bis hin zu „Zeige die aktuelle Tagesschau auf dem Fernseher“ geht alles völlig unkompliziert – zur Begeisterung der ersten Gäste im AAL-Labor. „Wir haben nicht DIE Lösung fürs Alter“, sagt Bill Pottharst. „Aber wir können Hilfen für ganz konkrete Schwierigkeiten anbieten.“

Wie „JustoCat“ zum Beispiel. Das ist eine interaktive Roboterkatze, die schnurrt, sich leicht bewegt und ein so weiches Fell hat, das man automatisch beginnt zu streicheln. Was sich etwas seltsam anhört, kann dementen Menschen helfen, weniger aufgeregt zu sein und sich sogar an Dinge zu erinnern. Die beruhigende Wirkung einer Katze kennen viele, anscheinend  trifft das selbst auf Roboterkatzen zu. „Generell gibt es auf dem Markt sehr viele Hilfen für Senioren“, sagt Prof. Andreas Hoff. „Aber sie werden recht selten benutzt. Anders als bei kleinen Kindern wird darauf leider nicht so geachtet.“ Das Besteck mit sehr dicken Griffen ist so etwas oder der Suppenteller mit hochgezogenem Rand.

All das sind nur einige Beispiele, die im AAL-Labor live zu testen sind. Interessierte können alles anfassen, sich alles anschauen, alles ausprobieren. Eine Liste der vorhandenen Dinge würde den Rahmen sprengen. Aber das Bügeleisen, das nur bei Handkontakt heiß wird, der Fensterputzroboter und das Bildschirmlesegerät, das alles beleuchtet und vergrößert, was man hineinlegt, könnten Renner werden. Oder die VR-Brille, die den Nutzer in eine virtuelle Welt entführt. „Wenn jemand bettlägerig ist, kann er damit zum Beispiel noch einmal an die Orte reisen, die er früher besucht hat“, sagt Bill Pottharst.

Ideen, die auch den KommWohnen-Geschäftsführer begeistern. „Im Frauenburgkarree sind die Probanden drumherum, das Labor mittendrin, das finde ich prima. So können unsere Mieter Teil eines spannenden Projekts sein, wenn sie wollen.“ Zumal man es gar nicht oft genug ins Bewusstsein der Görlitzer holen könne, dass ihre Stadt Hochschulstandort ist.

Dem nun fertig eingerichteten AAL-Labor steht also eine bewegte Zeit bevor. Stadt, Landkreis, Klinikum und andere Institutionen haben sich bereits angemeldet.

Mehr Informationen zu dem Projekt gibt es hier.

 


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