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Stadt auf Probe

Startschuss für neuen Durchgang

von Jenny Thümmler

Es könnten spannende Monate am Fischmarkt werden. Womöglich sind alle vier Wochen neue Kunstwerke im Schaufenster des Ideenlabors "Neun Görlitz" im Haus Nummer 9 zu sehen. Vielleicht Malerei? Vielleicht Skulpturen? Oder Grafiken? Der Ausstellungsraum ist einer von drei Arbeitsorten, die beim Projekt "Stadt auf Probe" ab Januar eine besondere Rolle spielen werden. Alle vier Wochen sollen neue Kreative, Kunstschaffende, Selbstständige einziehen, um Görlitz von einer eher ungewöhnlichen Seite aus kennenzulernen. Und um andersherum vielleicht auch sich selbst bekannt zu machen.

 

 

 

 

 

 

 

Das erfolgreiche Projekt Probewohnen hat mit "Stadt auf Probe" einen neuen Namen bekommen. Am 19. September 2018 gab's den offiziellen Startschuss mit einer Pressekonferenz. Und auch inhaltlich gibt es einige Veränderungen. Statt wie bislang eine Woche, verbringen die Teilnehmer nun vier Wochen in Görlitz, um die Stadt und vor allem das Leben hier kennenzulernen.

Und: Das Projekt richtet sich ausdrücklich an Menschen im erwerbsfähigen Alter. An solche, die wenigstens für diese vier Wochen ihren Arbeitsplatz verlagern können, möglicherweise schon länger mal hier, mal da arbeiten. "Das bringen ja die Digitalisierung und der Arbeitsmarkt 4.0 mit sich", sagt KommWohnen-Geschäftsführer Arne Myckert. "Viele können von überall aus arbeiten. Und auch nicht alle Arbeitgeber pochen mehr darauf, dass die Mitarbeiter jeden Tag den ganzen Tag vor Ort sind."

Die Regie für "Stadt auf Probe" übernimmt das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), das mit dem interdisziplinären Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) in Görlitz vertreten ist. Das wissenschaftliche Institut begleitet die Probewohnen-Durchgänge schon von jeher. Mit der inhaltlichen Umgestaltung sollen Menschen auf Görlitz aufmerksam werden, die in den Ballungszentren nicht mehr alles finden, was sie suchen. "Auch Mittelstädte sind attraktiv", sagt IZS-Leiter Prof. Dr. Robert Knippschild. "Bezahlbare Wohn- und Arbeitsräume sind in Großstädten schwierig zu finden. Dazu gibt es Verkehrsprobleme und Umweltbelastungen. All das können peripher gelegene Mittelstädte besser. Und Görlitz ist dafür eine prototypische Stadt." Gerade kreativ arbeitende Menschen und Freigeister fänden hier zudem Brachen, die mit Ideen und wenig finanziellem Aufwand nutzbar gemacht werden könnten. In Berlin beispielsweise sei so etwas gar nicht mehr auffindbar.

 

 

 

 

 

 

 

KommWohnen als einer der großen Partner des Projekts stellt den Teilnehmern kostenlos eine Zwei- oder Dreiraumwohnung an der James-von-Moltke-Straße zur Verfügung. Bei der Projektdauer von insgesamt 18 Monaten bis Ende Juni 2020 haben also 54 Interessenten bzw. -paare/-familien die Möglichkeit zur Teilnahme.

Dazu haben sich drei Görlitzer Vereine gefunden, die verschiedene Arbeitsräume anbieten: Kühlhaus e.V. (Werkstatt), KoLABORacja e.V. (Büro) und Wildwuchs e.V. (Atelier/Ausstellungsraum). "Für uns passt dieses Projekt perfekt in die Zeit", sagt Danilo Kuscher vom Kühlhaus-Verein. "Das Arbeiten vor Ort ist bei uns immer mehr in den Fokus gerückt." Zudem habe er die Erfahrung gemacht, dass geschätzt 80 Prozent der jungen Menschen, die kreative Projekte in Görlitz gestartet haben, von auswärts in die Stadt gekommen sind. Und auch Hartmut Wilke, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, freut sich über die neue Zielgruppe des Projekts. "Als ,Pensionopolis' haben wir nie nach außen geworben. Das war nett, aber nicht so gemeint", sagt er mit einem Schmunzeln. "Görlitz soll eine Stadt für alle Altersklassen sein."

Wie in den abgeschlossenen Durchgängen des Probewohnens sollen die Teilnehmer – die übrigens nicht nur aus Deutschland stammen müssen – ihre Eindrücke detailliert mitteilen. Daraus erhofft sich das IZS einen Erkenntnisgewinn, welche die Ansprüche von jungen Leuten oder Familien an das Leben in Mittelstädten sind und wie Görlitz diese erfüllen kann – oder ob es das bereits tut. Davon sollen Standortfaktoren und eine Stadtentwicklungspolitik für Görlitz und andere deutsche Städte abgeleitet werden.

Im Januar 2019 werden die ersten Teilnehmer begrüßt. Die Bewerbungsfrist läuft ab sofort bis zum 31. Oktober 2018.

Hier geht's zur offiziellen Pressemitteilung des IZS.

Und hier ist die Homepage des Projekts mit allen detaillierten Informationen und der Online-Anmeldung.


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