Bauen und Wohnen Specials Dies & Das

Zukunftskongress

Aktionskreis stellt Fragen zur Zukunft von Görlitz

von Jenny Thümmler

"Es gibt nichts Praktischeres als eine Vision." So steht es auf den Einladungen zum Zukunftskongress des Aktionskreises Görlitz. Und groß daneben: "Quo vadis, Görlitz?" – Wohin gehst Du?

Es sind große Fragestellungen, die sich der Aktionskreis vorgenommen hat. Ein "sehr ehrgeiziges Projekt", wie es Vereinsvorstand Rainer Müller nennt, wenn er den Kongress vorstellt. Zwei Tage lang findet dieser Mitte November an der Hochschule statt. "Görlitz war in seiner fast 1.000-jährigen Geschichte noch nie so attraktiv wie jetzt. Es ist eine lebendige, zum Teil quirlige Stadt geworden." Meint Müller, um sofort Fragen anzuschließen: Warum ist das so? Und wie kann es so bleiben?

Nun, zum Einen ist da die Stadtpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Sie hat der positiven Entwicklung der Stadt zumindest nicht im Weg gestanden, so Müller, der im Herbst 1990 als Leiter der hiesigen Filiale der Deutschen Bank aus München nach Görlitz kam. Zum Anderen aber, als eigentliche Ursache, habe Görlitz eine unglaubliche Glückssträhne gehabt:

  • keine Kriegszerstörung, alles blieb von den Bomben verschont und so im Original erhalten
  • die gerade noch rechtzeitig hereinbrechende Wende, die den bereits geplanten Abriss historischer Gebäude zugunsten von Plattenbauten  verhinderte
  • die Partnerschaft mit Wiesbaden, deren Vertreter in Görlitz mitgestalten und nicht aufdoktrinieren wollten
  • die Zuneigung von Gottfried Kiesow, Präsident der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Görlitz schon in den 1990er Jahren als "schönste Stadt Deutschlands" bezeichnete – ein Urteil, das heute noch wie in Stein gemeißelt ist
  • die Altstadtmillion, die 21 Jahre lang durch einen geheimen Spender auf dem Stadtkonto landete, ingesamt rund 11 Millionen Euro, die zur Restaurierung denkmalgeschützter Bauten eingesetzt wurden
  • der Kauf des Jugendstil-Kaufhauses durch Winfried Stöcker, der damit die Verantwortung für eine Schlüsselimmobilie von den Schultern der Stadtverwaltung nahm
  • das Ende von Bergbau und Kraftwerk, das den Umweltmoloch besiegelte und das Entstehen eines Sees ermöglichte.

Es sind sicher streitbare Punkte in der Aufzählung Müllers enthalten. Aber der Zukunftskongress soll auch Platz zum Diskutieren bieten. Was hat Görlitz bereits, das wichtig und richtig ist für die Zukunft? Was fehlt? "Die Zukunftsgestaltung wird gebraucht", sagt Rainer Müller. Denn es stünden große Herausforderungen bevor. Wie die reale Gefahr, dass die industrielle Basis von Görlitz mit Siemens und Bombardier wegbricht. Dass derzeit die dritte Hartz-IV-Generation heranwachse und der Umgang mit dieser ganz neue Ansprüche stellen könnte. Auch auf die digitale Revolution gebe es in der Stadt noch keine Antworten. Das oft zitierte INSEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) sei ein offizielles und abgesegnetes Papier, aber eben nicht mehr. Keine Vision. Nichts Praktisches. Nichts, das in der Bevölkerung angekommen wäre. Nur ein Hilfsmittel der Verwaltung.

Weil sich der Aktionskreis Görlitz als Stimme der Zivilgesellschaft versteht, soll dieser Kongress stattfinden, auch wenn es bereits verschiedene Studien zur Görlitzer Zukunft gibt (darunter das Strategiepapier von 2013). Man wolle nicht das Rad neu erfinden, sondern Bestehendes prüfen und Fehlendes hinzufügen. Ganz praktisch sollen beim Zukunftskongress Arbeitsgruppen gebildet werden, die sich mit verschiedenen Themenfeldern auseinandersetzen. Die Ergebnisse werden dann in einer Übersicht (Synopse) der Stadtverwaltung überreicht. "Ein Ergebnispapier mit Empfehlungen", so Rainer Müller, "und mit der Bitte, es nicht in der Schublade verschwinden zu lassen." Auch der Aktionskreis selbst wolle dieses Papier nicht vergessen und in zwei Jahren einen neuerlichen Zukunftskongress durchführen.

Die Teilnahme am Kongress ist nur geladenen Gästen vorbehalten. 150 Einladungen hat der Aktionskreis verschickt, mehr als 80 Zusagen liegen bereits vor. 100 Teilnehmer sollen es im Idealfall werden. "Ich erwarte kein Wunder. Aber erhellende Ergebnisse und eine positive Aufnahme."

 

Hier geht's zur Internetseite des Zukunftskongresses.


Zurück zur Übersicht

Servicepoint

02826 Görlitz, Konsulstr. 65
Telefon: 03581 461 0

 

Geschäftszeiten:

Mo 9.00 - 17.30 Uhr
Di 9.00 - 18.00 Uhr
Mi 9.00 - 17.30 Uhr
Do 9.00 - 17.30 Uhr
Fr 9.00 - 12.30 Uhr

Sprechzeit:
Di   9.00 - 18.00 Uhr
und nach Vereinbarung

 

Störungshotline

außerhalb der Geschäftszeiten
Telefon: +49 3581 33555

 

SEGes 

02826 Görlitz, Jakobstr. 4a
Telefon: +49 3581 407417